tornitrua et fulgura

Ich sitze auf meinem Balkon und schaue in den Himmel.
Nach Osten ist er hellblau, ein paar zarte, weiße Wolken sammeln sich dort, doch nach Westen lauern dicke, graue Wolkenwände.
Eine Gänsehaut überströmt meinen Körper bei dem Gedanken an das, das kommen wird.
Die Wolken sehen aus wie eine große Welle, eine Welle vor einem taubenblauen Meer, welches in der Ferne sogar nachtschwarz wird.
Sie ziehen vom Berg aus auf mich zu, frischer Wind durchbricht die schwüle und schwere Sommerluft. Er umgibt mich und kühlt meine Haut, hinterlässt ein angenehmes Prickeln.
Die dunklen Wolken rücken zwar näher, doch noch sind sie weit entfernt, noch spüre ich nur die aufkommen Unruhe und leise, grummelnde Geräusche, die dumpf bis zu mir rüber schallen.
Ich lehne am hölzernen Geländer und beobachte die Wolken und die Bäume, ihre Blätter biegen sich nach außen und die Zweige wiegen im Wind. Doch dieser wird immer Stärker, meine Haare verwuscheln und mein Rock spielt mit den Windböen.
Nun sieht man einen sich dunkel absetzenden Regenschleier zwischen den Wolkenberge und die Luft duftet nach Gewitter, ein wenig holzig und nach Regen riecht es dann.
Immer kühler weht der Wind und die Wolken jagen inzwischen auf mich zu, als würde ich sie rufen. Graue Schleicher greifen nach meinem Haus, sie sind von Regenwasser gefüllt, grau und blau schimmern sie über mir, die ganz dunklen sind noch ein Stück weiter weg.
Als ich die Augen schließe verstummen die Vögel und nur noch das Rauschen des Windes und fernen Donnern sind zu hören. Und dann, als ich meine Augen wieder öffne, die ersten Regentropfen auf dem Wellblechdach der Nachbarsgarage. Ein Tropfen fällt auf meinen Arm, kalt und schwer, dann ein weiterer auf meinen Fuß.
Der Wind hebt meinen Rock und ich heben meinen Kopf Richtung Wolken.
Einzelne Tropfen feuchten meine Wangen an.
Ein erster bläulicher Blitz erhellt den stockdunklen Himmel, das Licht spiegelt sich in den Fenstern des gegenüber liegenden Hauses.
Ich gehe ein paar Schritte zurück, weg vom Geländer und lehne am Tisch, schon prasselt der Regen doller und schneller aus den dunklen Wolken.
Meine Füße werden nass und ich setzte mich auf den Tisch, lasse die Beine baumeln und lausche dem Donnern.
Er fängt ganz link von mir an und rollt durch die Wolken, laut und grimmig wie eine Reihe Krieger auf Pferden, die einen Abhang herunter reiten.
Dann zuckt wieder ein Blitz. Ich erkenne genau seine Form, wie er sich wurzelartig über den Himmel schlängelt, bis zum Boden.
Direkt darauf folgt ein lauer Donnerschlag und wasserfallartig spitzt der Regen aus der Dachrinne über mir, bis meine Beine ganz nass sind.
Ich schwinge sie auf den Tisch und ziehe die Knie an.
Ich genieße die Frische und den Regen, das Gefühl von Unendlichkeit und der Erlösung.
Immer wieder fegt der Wind durch meine Haare und unter meinen Rock, meine Klamotten sind feucht, mein Gesicht ebenfalls.
Der Regen sammelt sich auf dem Fußboden, peitscht immer wieder bis zu mir, der Wind lässt mich erzittern und irgendwann wechseln Blitz und Donner sich im Sekundentakt ab.
Ich bleibe sitzen und fühle alles, jeden Topfen der die Erde berührt, jeden elektrischen Schlag der sich tief durch den Boden und wie durch meinen Körper bohrte.
Kann meine Augen nicht von den Wolken lassen, die langsam heller werden.
Der regen wird regelmäßig und schwächer, das Gewitter zieht weiter – ohne mich.
Der Wind schwächt ab, und nur eine leichte Gänsehaut bleibt.
Irgendwann hört man nur noch einzelne Tropfen von den Blättern der Bäume und Hecken fallen.
Inzwischen habe ich mich hingelegt, lausche und schaue zum Himmel, so helles, fast weißes blau durchbricht die letzten Wolken und ein Sonnenstrahl berührt meinen Fuß.
Erschöpft schließe ich die Augen und schlafe ein.



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