Sonnenaufgang

Leise zog sie die die Dachbodenluke auf und klappte die Leiter runter, kalte abgestanden Luft kam ihr entgegen, als sie die ersten Sprossen herauf stieg.
Es war dunkel hier oben, dunkel und eng.
Leise tastete sie sich zum schrägen Fenster vor.
Sie löste den Riegel und stieß es auf, eisige aber frische Luft schlug ihr ins Gesicht.
Vorsichtig krabbelte sie durch das Fenster raus auf die Dachgaube.
Die Beschichtung der Gaube war rau und dreckig, an manchen Stelle wuchs Moos und überall lagen Blätter.
Der Himmel über ihr war sternenklar, dunkler Samt mit einsamen Punkten, die in der Ferne leuchteten.
So ein Stern war bestimmt genauso einsam wie sie.
Dann stand sie auf und ging langsam zum Rand, unter ihr sah sie die Dachpfanne, dann die Dachrinne und dann ging es steil herab bis zum Hof.
Vorsichtig setzte sie sich hin und ließ die Beine über den Rand hängen.
Lange saß sie nur da, schaute und dachte.
Immer wieder rief sie sich sein Gesicht ins Gedächtnis, seine blauen Augen, seinen Lippen und die schönen Hände.
Irgendwann bemerkte sie, dass sie anfing zu zittern, Gänsehaut krabbelte ihre Beine hoch, doch sie wollte nicht wieder reingehen.
Sie ließ sich auf den Rücken fallen und schaute in den Himmel, ihre Erinnerungen wurden wach und sie musste an diesen einen Abend denken, als sie das erste Mal mit einander geschlafen hatten, sie hatten auf seinem Balkon gelegen, zwischen hunderten von Decken und Kissen und waren eng bei einander eingeschlafen.
Ein Stich traf ihr Herz und sie zog ihre Knie an den Bauch und drehte sich auf die Seite nun lag sie wie in Baby im Mutterleib.
Der Schmerz breitete sich in ihrem ganzen Körper aus, ihr Herz pumpte in durch ihre Adern in jedes noch so kleine Blutgefäß.
Schwindelig setzte sie sich wieder auf.
Wie konnte sie sich nur einbilden, dieser Schmerz würde je wieder aufhören.
Er fraß sich durch ihren Körper bis sie einsam und leer war, benebelte ihre Gedanken und löschte ihre Hoffnungen aus.
Ihre Hand glitt in die Tasche ihre Jacke und fuhr über das kalte Metal.
Vorsichtig zog sie die Waffe aus ihrer Tasche, das Licht des untergehenden Mondes spiegelte sich auf ihr und verlieh ihr einen mystischen Glanz.
So schön, und so tödlich.
Im Osten wurde der Himmel langsam heller, rosa und orange Streifen breiteten sich aus.
In einem Baum direkt neben dem Dachende schaute ein Vogel aus seinem Nest, plötzlich ertönte ein Lauter Schuss, erschrocken flog er hoch und kreischte laut, er flog Richtung Osten, rein in den blutroten Himmel, wo sie sich die Sonne langsam erhob.


Blog eima Traumwelt Früher Liebe Grüße