Strangers in the night [für die bbb crew]

Durchweicht vom kühlen Regen und von meinen eigenen heißen Tränen rannte ich zur Bushaltestelle, ich bog um die letzte Ecke und sah den Bus von hinten.
Ich rannte noch ein bisschen schneller und konnte mich selbst in dem großen Rückspiegel sehen. Der Bus fuhr an, meine Hand schlug gegen die Scheibe, doch der Fahrer gab Gas und fuhr auf und davon.
„Arschloch!“, brüllte ich ihm hinterher, bückte mich nach einer Plastikflasche die auf dem Boden lag und schleuderte sie dem Bus hinterher.
„Du hast mich doch gesehen, du Arsch!“, schrie ich atemlos.
Dann seufzte ich schwer und wischte mir die letzten Tränen aus meinem Gesicht.
Manchmal hielt ich kaum aus, wie ungerecht die Welt sein konnte. Ich schüttelte mich vor Kälte zog meine nasse Kapuze noch etwas weiter ins Gesicht, der Regen drang durch meine Jacke, nässte meine Haut und eine Gänsehaut breitete sich auf meinen Armen aus.
Ich starrte stur grade aus und fragte mich wie spät es wohl war, der Himmel verdunkelte sich langsam, doch ich wusste nicht, ob es nur noch mehr tiefgraue Wolken waren oder der Abend, der langsam einbrach.
„Du siehst aus, als könntest du eine Tasse Tee und nen trocknes T-Shirt vertragen.“
Ich drehte mich, um ausmachen zu können, zu wem so eine angenehme, tiefe Stimme gehören könnte.
Braunen Locken, die unter einer schwarzen Regenjackenkapuze hervorschauten, dunkle Augen und ein markantes Gesicht.
„Ist ja nicht dein Problem, wenn ich so aussehe.“, gab ich bissig zurück.
Eine blöde Anmache war das letzte was ich jetzt, durchweicht und mit gebrochenem Herzen, brauchte.
Er zog eine Augenbraue hoch.
„Ich wollt dich wirklich auf nen Tee und nen T-Shirt einladen.“, meinte er ernst.
Ich schaute ihn einen Moment an.
Er war größer als ich und strahlte mehr Anziehungskraft als George Clonney und Toni Curtis zusammen aus.
Ich überlegte noch einen Moment, doch dann dachte ich an das, was ich mir für den Rest meines Lebens vorgenommen hatte: Nimm alles mit was du kriegen kannst, nur keinen Beziehungen.
Er sah nicht aus wie eine zukünftige Beziehung.
„Tut mir Leid, ich bin grade richtig angepisst, aber ich würde mich über einen Tee wirklich freuen.“
„Dann lass uns doch einfach diesen Bus nehmen und bei mir kannst du dich zwischen einer Vielzahl von Tees entscheiden.“; er grinste und dirigierte mich am Arm gepackt zu dem Bus der grade an der Haltestelle hielt.

Wir fuhren schweigend.
Ich schaute immer wieder zu dem Fremden herüber und fragte mich, wie man so schnell alle seine, seit der Kindheit eingebläuten, Prinzipien über Bord werfen konnte.
Wie oft hatte man mir gesagt, dass man nicht mit fremden Männern in ihre Wohnungen ging.
Er hatte seine Kapuze abgesetzt und wuschelte durch seine Haare, sie fielen ihm in den Nacken uns ins Gesicht, doch an den Seiten waren sie ein wenig kürzer.
Nach ein paar Haltestellen sah ich, wie er auf den >>Stopp<< Knopf drückte und dann zu mir rüber schaute.
„Auf, auf!“, meinte er und grinste wieder.
Ich raffte mich hoch und freute mich innerlich auf einen warme Wohnung und heißen Tee.

Von der Haltestelle aus mussten wir noch ein paar Minuten gehen, der Regen war inzwischen noch schlimmer geworden und irgendwo in der Ferne hörte ich es leise grummeln.
Vor einem mehrstöckigen Haus blieb er stehen und kramte nach seinem Schlüssel. Das Haus hatte viele Fenster und mindesten 15 Klingelschilder.
Im Hausflur roch es muffig nach Hund und Eintopf und durch die Wohnungstüren drangen Kinderschreie, Geschirrgeklimper und viel zu laut gedrehte Fernseher.
Wir stiegen mehrer Treppen hoch, bis wir vor einer der vielen weißen Türen anhielten.
„So…“, murmelte er leise.
Die Tür öffnete sich und ich trat in einen mit Parkettausgelegten Flur, die Wohnung schien hell und als die Tür hinter mir wieder geschlossen wurde herrschte einen angenehme Stille.
Keine Nachbarn mehr, keinen Hausflurgeruch.
An den Wänden hingen viele ungerahmte Fotos, Flyer, Poster und Postkarten.
Mein namenloser Begleiter ging in die Küche und ich folgte ihm.
„Gib mal bitte deine Jacke und ich bring dir gleich was Trocknes.“
Ich zog den Reisverschluss meiner lilanen Sweatjacke auf und quälte mich auf den Ärmeln die an meinem Körper klebten.
„Du kannst schon mal da in die Kiste gucken und dir eine Teesorte aussuchen.“, sagte er im hinausgehen.
Ich drehte mich um und erblickte auf der Arbeitplatte eine alte Metallbox mit einer Kuchenprägung.
Ein intensiver Teegeruch verbreitete sich in der Küche, als ich sie öffnete und anfing die verschiedenen Beutelchen und Tüten auf zu machen und an ihnen zuschnuppern.
Schließlich entscheid ist mich für einen Früchtetee mit Kirsch und Pfirsich.
„Und?“
Ich hob die Tüte und drückte sie ihm in die Hand: „Kirsch-Pfirsich:“, sagte ich.
Er hielt mit eine ausgefranste Jeans und ein ausgewaschenes Beatles T-Shirt hin.
„Das Bad ist da vorne rechts, ich hab dir nen großes Handtuch auf den Badewannenrand gelegt.“, sagte er.
„Danke.“, zum ersten Mal seit Stunden huschte ein Lächeln über mein Gesicht und ich nahm ihm dankbar die Sachen aus der Hand.

Das Bad war klein und schlicht, weiße Wände, weiße Bodenfließen, ein blauer Teppich.
Ich pellte mit das nasse T-Shirt von der Haut und drückte es über dem Waschbecken aus, dann hängte ich es über die Heizung und drehte sie einen Stufe höher, kurz darauf legte ich auch meinen Hose dazu.
Ich kuschelte mich für einen Moment in das schuppige Handtuch und trocknete mich ausgiebig ab, dann nahm ich mir die hellblaue Jeans und schlüpfte rein.
Sie war etwas weit und rutschte mit tief bis auf die Hüpfte, so das man die Schleife auf meiner schwarzen Unterhosen sehen konnte.
Ich zog auch das T-Shirt an und guckte mich kurz im Spiegel an.
Schließlich griff ich nach einem Fön, der auf der Fensterbank lag und pustete mit für ein paar Minuten warme Luft durch die Haare.
Dann verließ ich das Bad wieder und ging zurück in die Küche.

Er hatte sich an den kleinen Tisch gesetzt und vor ihm standen zwei dampfende Tasse und eine Porzellanschüssel mit Keksen.
Er schaute mich an und ich spürte seinen Blick auf mir.
Doch ich starte nur dreist zurück, er hatte sich ebenfalls ein trocknes T-Shirt angezogen und nun sah ich seinen Arme, die recht trainiert wirkten, er hatte schönen Hände und einen leicht gebräunten Haut ton.
„Gut sieht du aus.“
„Danke, ebenfalls.“, meinte ich trocken und setzte mich ihm gegenüber auf den Stuhl.
Ich nippte am Tee und spürte wie das warme Getränkt durch meinen Körper lief.
Dann nahm ich einen größeren Schluck und schmeckte einen betäubenden Zusatz.
„Ist da Rum drin?“, fragte ich meinen Gegenüber skeptisch.
„Klar, in richtig friesischen Tee gehört immer ein Schuss Rum und ein Stück Rumkandis.“
Ich nickte.
„Wenn du meinst.“
Er fixierte mich mit seinen zartbitteren Augen und lächelte sanft.
„Was hat dir den Tag so versaut, Kleines?“
Ich stütze meine Ellenbogen auf den Tisch und schaute ihn an.
„Mein Ex-Freund.“
„Ah, das ist böse.“
„Ja…ich habe mit ihm Schluss gemacht, nachdem ich herausgefunden habe, dass er mich zum wiederholten male mit der gleichen Person betrogen hat.“
Er nickte, aber ließ nicht zu, dass unser Augenkontakt abbrach.
„Und jetzt habe ich beschlossen frei nach dem Motto >>Nimm alles mit was du kriegen kannst, nur keine Beziehung<< zu leben.“
Seinen Augen funkelten mich an.
„Gute Idee.“
Ich zuckte mit den Schultern und schaute nun doch wieder in meine Tasse.
„Ich weiß nicht, mal sehen…“
Plötzlich stand er auf und kam zu mir rum, er ging ein wenig in die Hoche bis wir auf Augenhöhe waren und schaute mich an, dann trafen sich unsere Lippen und er gab mir einen heftigen und fordernden Kuss.
Seine Bartstoppeln kratzen an meinem Kinn, seinen Lippen drückten sich unnachgiebig gegen meine.
Dann ließ er wieder von mir ab, aber immer noch blieb er nah vor meinem Gesicht. Ich studierte seinen Gesichtszüge, die hohen Wangenknochen, die große Nase, seinen schmalen Lippen und diese unergründlichen Augen.
„Das ist es doch was du meinst, oder etwas nicht?“, flüsterte er leise.
Ich schluckte und wehrte mich gegen das aufsteigende Verlangen.
Objektiv gesehen, sah er gar nicht so toll aus, er sah weder aus wie einen Beziehung noch wie ein obligatorischer One-night-stand, aber als er mich wieder küsste, wusste ich, dass er wie einer schmeckte.
Aufregend, neu und nach Tee und Rum.





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