Weiße Wände

Schon als er sie das erste Mal angelächelt hatte, hätte sie wissen müssen, dass sie ihn niemals hätte halten können.
Dass er nicht der richtige war, um für immer an einem Ort zu bleiben.
Doch sie hatte er verdrängt, hatte es nicht wahrhaben wollen, hatte sich Hals über Kopf in ihn verliebt.

Und jetzt stand sie da, allein in ihrem kahlen Schlafzimmer, mit einem Brief in der einen und seinem Lieblings T-Shirt in der anderen Hand.
Ein kühler Luftzug kam zum Fenster herein, hinterließ eine Gänsehaut auf ihren nackten Beinen und wehte unter ihr weites T-Shirt.
Er wehte auch durch ihr Bett und die aufgewühlten Kissen und trug einen Hauch von ihm zu ihr, so als würde er sich warm an sie schmiegen, und sein Bart würde sie im Nacken kitzeln.
Sie starrte an die nackte, weiße Wand, es roch noch nach Farbe.
Stumm liefen die Tränen über ihr Gesicht, tropften an ihrer Nasenspitze herunter, über ihre Lippen, hingen an ihrem Kinn und versickerten in ihrem T-Shirt.

Langsam drehte sie sich um, das Stück Papier mit seiner kritzeligen Handschrift fiel ihr aus der Hand.
Sie blickte aufs Bett, als wartete sie darauf, dass plötzlich sein Kopf mit dem ausgeblichenen grünen Iro zwischen den Kissen hervor blickte, dass er sich nach ihr umschaute und sie mit seinen grünen Augen erfasste. Sie würde auf ihn zugeben, bis er ihr Handgelenk erreichen könnte und sich dann von ihm aufs Bett ziehen lassen, bis sie seinen gepiercten Lippen auf ihren spüren würde.
Aber sie wartete umsonst und das wusste sie, genauso wie sie immer gewusst hatte, dass sie eines Morgens allein aufstehen würde, mit nichts als einem Brief und den unzählbaren Erinnerungen in ihrem Herz.

Blog eima Traumwelt Früher Liebe Grüße