Herbstbegegnung


Sie saß mitten in der Stadt auf einer Bank aus Holz, in der rechten Hand hielt sie einen dunkelroten Pappbecher, der mit Milchkaffee gefüllt war, mit der linken stütze sie sich ein wenig auf der Bank ab und reckte ihr Gesicht in Richtung Sonne.
Links hinter ihr stand ein großer Baum, und bei jedem seichten Windstoß, der durch die großen Äste fuhr, fielen einige gelbe, rote und orange Blätter zu Boden. Manche wirbelten über den ganzen Platz, zwischen den Menschen hindurch die geschäftig von einer in die andere Richtung liefen, ihren Blick starr auf den Sandsteinfarbenen Boden gerichtet hatte und von dem herbstlichen Treiben nur wenige mit bekamen.
Das Mädchen trug eine schwarze Wollmütze, mit einem großen violetten Samtknopf obendrauf, eine schwarze Jacke mit einem breiten Kragen und einen violetten Schal. Unter der Mütze lugten wasserstoffblonde Haare hervor, die ihr Gesicht ein wenig verdeckten.
Die warmen Sonnenstrahlen brachten ihr Gesicht zum leuchten und sie war mehr als nur schön.
Doch sie blickte nicht ein einziges Mal zu ihm herüber.
Ihre Augen waren geschlossen und sie nippte ab und zu an dem Pappbecher. Wenn der Wind wieder ein paar Blätter los schickte, wehten auch ihre Haare seicht im Wind und das ein oder andere Mal strich das Mädchen sie wieder glatt.
Auf der Bank, auf der sie saß, wäre genug Platz gewesen für noch mindesten eine weitere Person, doch nie im Leben hätte er sich getraut sich neben so ein unnahbares Wesen zu setzen, er steckte sich eine weitere Zigarette an und der Rauch verflog in der Luft wie seine Hoffnungen.
Plötzlich schaute sie zu ihm, ihre Blicke trafen sich für einen Moment doch er war zu angespannt um ein Lächeln zustanden bringen zu können, außerdem sollte sie nicht merken, das er sie angestarrt hatte, also schaute er schnell wieder in das Buch auf dem kleinen Tisch vor sich. Er konzentrierte sich voll und ganz aufs Lesen…

Enttäuscht nippte sie wieder an ihrem Kaffe, sie war verunsichert wie immer und um nicht noch einmal zu dem Jungen auf der anderen Seite des Platzes gucken zu müssen, schloss sie die Augen wieder und drehte ihr Gesicht zu Sonne.
Die Blätter im Baum hinter ihr rauschten.
Sie hatte ihn gesehen, als sie aus dem Kaffee getreten war, er hatte direkt davor an einem der Tische gesessen, doch nie im Leben hätte sie sich getraut sich zu ihm oder in die Nähe von ihm zu setzen, und so hatte sie ihren Platz auf der Bank so gewählt, dass sie ihn ab und zu beobachten konnte.
Doch er war mit Lesen beschäftigt und als sich ihre Blicken zufällig getroffen hatten, hatte er sie nur für einen unglaublich kurzen Moment angeschaut, vielleicht hatte er sogar durch sie durch geblickt, und sich dann mit einer unzufriedenen Miene wieder seinem Buch zugewandt.
Er hatte wuschelige blonde Haare und trug eine dunkelgraue Jacke, auf dem Tisch vor ihm lag ein Buch und daneben lag eine rote Packung Zigaretten.
Die Herbstsonne fiel ihm halb ins Gesicht.
Manchmal gingen so viele Menschen zwischen ihnen her, dass sie ihn immer nur ansatzweise oder für Bruchteile einer Sekunde sehen konnte, doch das reichte ihr.
Als ihr Kaffee alle war, erhob sie sich und blickte noch einmal hoffnungsvoll zu dem Jungen herüber, doch er starrte verträumt in eine andere Richtung und so schmiss sie den Pappbecher in den nächsten Mülleimer und ging Richtung Sonne vom Platz, weiter in die Einkaufstraße….

Er blickte wieder rüber zur Bank, sie war weg.
Verärgert über sich selbst klappte er das Buch zu und stopfte es in seine Tasche, dann legte er einen 5€ Schein unter das leere Glas und verließ den Platz, die Sonne schien ihm wärmend auf den Rücken.




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