4th of July

 

Der Wind streifte die hohen grünen Gräser und wiegte sie seicht. Die Sonne strahlte ungehemmt vom wolkenlosen, kornblumenblauen Himmel.
Die Arme hinterm Kopf verschränkt und die Augen geschlossen lag sie in Mitten der hoch gewachsenen Gräser, völlig abgeschottet von der Außenwelt. Sie hörte nur das Flüstern des Windes und fantasierte die kurzen Geschichten, die er ihr brachte, weiter. Die Sonne wärmte ihre helle Haut, sie durchdrang hitzig den Stoff ihrer schwarzen Jeans und hinterließ auf ihren Wangen einen zartrötlichen Schimmer, der ihr mehr als nur gut stand.
Ganz langsam öffnete sie die Augen, die Welt war in ein goldenes Licht getaucht, sie konnte die Farben nicht recht erkennen und es dauerte einen Moment bis sie sich wieder an den hellen Sonnenschein gewöhnt hatte.
Dann streckte sie sich, gähnte, weil sie das Liegen ganz schummerig gemacht hatte, und tauchte schließlich endgültig wieder in die reale Welt, als sie sich aufsetzte und über das Gras hinweg blicken konnte.
Der Lärm kam zurück, die spielenden Kinder, die Motorengeräusche der nur guten zehn Meter entfernten Straße, das Planschen des großen Brunnens und das Geschnatter der Enten.
Sie nahm ihre Schuhe in die Hand, sammelte Feuerzeug, Papers und das Päcken Tabak vom Boden auf und verstaute die Dinge in ihren Hosentaschen, dann ging sie ganz langsam und gemütlich rüber zu dem kleinen Teich mit dem Springbrunnen. Das trockne Gras piekste sie angenehm in die Fußsohlen und sie liebte es den Unterschied der vielen Verschiedenen Materialen unter sich zu fühlen. Erst das Gras, dann der Kieselweg, heiße Pflastersteine und schließlich der etwas feuchte Rasen am Rande des Teichs.
Sie stellte ihre Schuhe auf den Boden, setzte sich auf eine bekritzelte Parkbank und kramte ihr Zeug wieder aus der Tasche um sich eine Zigarette zu drehen.
Die Zigarette noch und dann gehe ich nach Hause um was zu tun, dachte sie.
Fast jeden Nachmittag im Sommer flüchtete sie auf diese kleine Grüne Insel mitten in Berlin.
Sie zog an ihrer frisch gerollten Zigarette, richtete den Kopf der Sonne entgegen und schloss noch ein mal die Augen in der Hoffnung zurück in ihre Sommerwelt zu tauchen, die aus weiten Feldern und unendlich viel Ruhe bestand, doch jetzt wollte es ihr nicht mehr gelingen.
"Tauscht du ne Zigarette gegen ein Blümchen?“, fragte eine tiefe, angenehme, aber ihr bis jetzt noch unbekannte Stimme plötzlich.
Sie machte ein wenig erschrocken die Augen auf und schaute hoch.
Tiefblaue Augen rissen sie wie eine gigantische Welle davon, für einen Moment wollte sie dagegen ankämpfen, was ihr das Wasser doch eigentlich verhasst war, doch dann gab sie auf und spürte wie sie langsam aber sicher immer tiefer unterging.
„Ich…ja klar…“, murmelte sie und erst jetzt fiel ihr das Gänseblümchen auf, dass er ihr entgegenhielt, sie grinste.
„Setzt dich doch, dann dreh ich dir eine.“, meinte sie und rutschte ein Stück zur Seite.
„Gib mir einfach das Zeug.“, meinte er und nahm ihr die kleine blaue Papppackung mit den Papers aus der Hand.
„Okay…“, sie nahm das Gänseblümchen und drehte es zwischen Zeigefinger und Daumen. Sie schaute ihn von der Seite an, er hatte einen Dreitagebart, strohblondes Haar und einen Ring in der Lippe.
Dann kam ihr der Text eines Liedes in den Kopf und sie lächelte ihm strahlend und aus vollem Herzen entgegen…

 

You and I we try to walk on by

But you and I we touch the sky

And I will bring you some flowers

And I will bring you some flowers…

 

 

[Text geklaut von 4th of July - Skunks Flavour] 

 

Blog eima Traumwelt Früher Liebe Grüße