Cinderella Story

 
Er schaute in den versifften Spiegel, nahm seine Cap ab, ordnete seinen schwarz gefärbten Haare neu und setzte sie dann wieder zurück auf seinen Kopf. Dann zog er die weiße Plastiksonnebrille aus der Brusttasche seiner Lederjacke, setzte sie auf und schaute noch einmal an sich herunter.
Er war schon eine verdammt coole Sau, mit seinen Tightpants, den lilanen Schuhen, die farblich zu seinem T-Shirt passten. Seine Lederjacke war voll genäht mit Aufnähern und allem Möglichen Krimskrams der sich so angesammelt hatte. Zufrieden und leicht angetrunken verließ er das Klo und stürzte sich zurück in die erdrückende Menge tanzender Menschen.

Die Musik war okay, sein Alkoholspiegel grade hoch genug und dann sah er sie, ein Plastikkrönchen im Haar und genug von dem, was er an Frauen liebte.
Und sie tanzte zu seinem Lieblingslied.
Zielstrebig schob er sich durch die Menschen, bis er nur einen halben Meter von ihr entfernt stand, doch sie beachtete ihn nicht.
Er tanzte selber weiter, aber beobachtete sie dabei, ihm war es egal, ob es auffällig war oder nicht. Hauptsache war, er würde damit erreichen was er wollte.
Doch ihr Kopf drehte sich immer wieder in eine andere Richtung, und plötzlich blieb sie wie angewurzelt stehen. Er folgte ihrem Blick und sah ein Pärchen, das sich in diesem Moment einem leidenschaftlichen Kuss hingab, dann schaute er wieder auf sie.
Rückartig drehte sie sich um und rannte beinah los, genau in ihn rein. Der Blick aus ihren grünen Augen traf in, sie wurde rot und stotterte etwas, dass er nicht verstehen konnte, dann schob sie sich an ihm vorbei in Richtung Klo.
Zu seinen Füßen glitzerte das pinke Krönchen.
Er bückte sich, hob es hoch und schaute ihre Freundinnen an, die abwechselnd Richtung Klo, dem küssendem Pärchen und auf seine Hand starrten.
„Ähm, meint ihr ich krieg eure Erlaubnis die Prinzessin auf einen Drink einzuladen?“, fragte er in die verwirrte Mädchengruppe.
Ein Mund öffnete sich, aber klappte wieder zu, eine andere nickte mit dem Kopf.
Das sollte ihm reichen. Er zwängte sich ebenfalls Richtung Klo und lehnte sich lässig gegen die Wand gegenüber der Tür, auf der ein Mädchenkopf zu sehen war.
Nach einigen Minuten öffnete sich dir Tür und sie trat heraus, die Augen waren leicht gerötet, ihre Wimperntusche ein wenig verschmiert und sie starrte mit glasigem Blick zu Boden.
Er drückte sich von der Wand ab, ging auf sie zu und sagte: „Hey Prinzessin, du hast da was verloren.“
Dann drückte er, mit Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand, ihr Kinn ein Stückchen nach oben und schaute ihr tief in die Augen.
„Hier.“ Er hielt ihr die Krone entgegen und steckte sie ihr behutsam zurück in die zuckerwattigen Haare, trat schließlich einen Schritt zurück und steckte die Hände in seine Hosentaschen.
Sie schaute ihn verdutzt an und packte sich vorsichtige auf den Kopf, rückte das Krönchen noch etwas zurecht, plötzlich huschte ein Lächeln über ihr trauriges Gesicht.
„Danke schön.“
„Kein Problem. Und darf ich sie jetzt zu einem Drink einladen, eure Hoheit?“
Wieder grinste sie, nickte und wischte sich schnell mit dem Handrücken unterm Auge entlang. Er hielt ihr seinen Arm entgegen und sie harkte sich ein.

Es war voll an der Theke, doch er zog sie geschickt mit sich und innerhalb weniger Minuten standen sie ganz vorne.
„Was darfst denn für dich sein?“.
„Was ohne Alkohol ich muss noch fahren…nen Kiba vielleicht.“
„Fahren? Hast du keine Kutsche?“, neckte er sie und bestellte einen Glas Kirsch-Bananesaft für sie und ein Becks für sich.
Sie lachte, als er ihr das Glas in die Hand gab. „Nein, leider nicht.“
„Aber bestimmt einen rosa VW Käfer?“
„Fast, er ist schwarz mit Lederdach und einem rosafarbenen und einem goldenem Streifen an der Seite.“
„Echt? Das hat verdammt Stile, Kleine.“
„Ich weißt.“, sagte sie überzeugt und folgte ihm in eine etwas ruhigere Ecke.
Sie unterhielten sich ein bisschen und er schaute verträumter auf ihre Lippen, als sie sich den Rest Saft davon ab leckte. Verdammt, dachte er und nahm ihr das Glas aus der Hand, er stellte es auf den Boden, griff dann nach ihrer Hand und tat so, als würde er ihre bunten Fingernägel bewundern.
„Warum bist du eben eigentlich so von der Tanzfläche gestürzt?“, fragte er sie ziemlich direkt, er wusste, dass es gemein war, aber wenn sie ihm jetzt den wahren Grund erzählen würde, konnte er es gleich vergessen.
Sie schaute einen Moment zu Boden, als würde sie kurz überlegen, was die richtige Antwort war, dann schaute sie ihn wieder an, rutsche ein Stück näher, beugte sich zu ihm und flüsterte fast: „Ach…eigentlich ist das inzwischen völlig egal…“.
Er grinste erfreut, und kam noch ein bisschen näher an ihr Gesicht.
„Dann ist ja gut.“
Ihre Nähe machte ihn atemlos und er stelle fest, dass sie nach Kirsche und Gummibärchen roch.
Sie drückte seine Hand, die er immer noch festhielt und schaute ihn fordernd an.
„Woher kommst du eigentlich?“, hauchte sie.
„Hamburg.“
„Um so besser.“
Er legte seine Hand in ihren Nacken und drückte seine rauen Lippen seicht auf ihre weichen.
Sie schmeckte auch nach Kirsche.
Ihre Hand ließ seine los und streichelte ihm über die Wange und griff schließlich fest in seine Haare. Er zog sie auf seinen Schoß und küsste sie immer fordernder und ihre andere Hand schob sich über seinen Bauch und unter seine Lederjacke. Irgendwann lösten sie sich von einander, ihre Wangen waren von Hitze gerötet, ebenso hatten ihre Lippen eine noch vollere Farbe angenommen.
„Wann musst du wieder zurück?“
„Nach Hamburg?“
„Ja…“
„Morgen Nachmittag.“
Sie strahlte. „Dann haben wir ja noch die ganze Nacht.“
Übermütig sprang sie auf und zog ihn hinter sich her.
„Ich wollte schon immer mal mit meinem Käfer und einem fremden Mann aufs Parkhaus fahren…“, sagte sie und schaute ihn anzüglich an.
„Alles Klar Prinzessin.“, er beugte sich wieder zu ihr und vergrub seine Lippen an ihrem Hals, kichernd legte sie ihre Arme fest um ihn.

 

 

 

 

 

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