Herz Hunger

 

Als sie erwachte hämmerte ihr Kopf und ihr Magen war flau. Die Welt um sie herum drehte sich in die eine Richtung und das Bett, in dem sie lag, in die anderen. Obwohl sie  die Augen noch geschlossen hatte und sich immer noch betrunken fühlte, wusste sie genau was gestern nach passiert war. Wie Bodennebel hing das Glück in ihrem Bauch und waberte von dort aus durch ihren ganzen Körper. Aber nachdem sie ein paar Minuten  wach war, konnte sie langsam wieder klarer denken.  Als ihr Blick auf den Besitzer des Betts fiel wehte ein eisiger Wind durch ihren Kopf, der Bodenebel war wie weggeblasen und eine eiskalte Panik packte sie mit festen Händen.
Vorsichtig schob sie die Decke beiseite und streckte ihren Fuß aus dem Bett, bis er den Holzboden berührte, sie setzte sich auf und stellte den anderen hinterher. Sie schwankte leicht, als sie aufrecht stand und musste den Drehschwindel unterdrücken, der sie überkam. Eilig suchte sie ihre Sachen, schlüpfte in ihr Kleid und nahm die Schuhe in die Hand. Ihr Blick fiel zurück zum Bett und sie betrachtete traurig den dunkelbraunen Haarschopf. Ohne lange nachzudenken hob sie sein graues T-Shirt vom Boden auf, wenigsten ein Andenken wollte sie sich gönnen.
Durch das Bücken und wieder hoch kommen fühlte sie es in ihrer Speiseröhre kribbeln. Notgedrungen blieb sie noch zwei oder drei Atemzüge im Zimmer stehen, bis sie sich gesammelt hatte, dann öffnete sie leise die Schlafzimmertür und schlich den Flug entlang. Die uralten Holzdielen machten es ihr unmöglich ohne Geräusche bis zu Eingangstür zu kommen. Sie legte ihre zittrige Hand auf die Klinke, plötzlich fuhr sie erschrocken zusammen, als sie seine Stimme hörte: „Baby, wo willst du hin? Und was machst du mit meinem T-Shirt?“

Geh einfach!
– schrie eine Stimme in ihrem Kopf, doch ihr Herz wollte nicht gehen und befahl ihr sich in Richtung dieser sexy verschlafenen Stimme umzudrehen.
Er stand, wie Gott ihn geschaffen hatte, in den Türrahmen gelehnt und schaute sie fragend an.
Die Hand lang noch immer zum Gehen bereit auf der Türklinke.
„Hast du echt keine Lust auf Frühstück? Wir haben doch an der Tanke extra Schokodonuts gekauft.“, er zog einen Schmollmund und schaute sie weiter an.

Fuck…

Sie nahm ihre Hand von der Klinke, er wollte dass sie blieb. Er hatte es schon gestern Abend gewollt. Sie drehte sich mit dem Rücken zur Tür und ließ sich daran herunter gleiten. Sie legte ihren Kopf auf die an ihren Köper gezogenen Knie.
„Alles in Ordnung?“, jetzt kam er langsam und noch immer nackt auf die zu.
Tränen standen in ihren Augen und sie stotterte: „Ich…ich wollte schon gehen, weil…weil“, zu spät, sie heulte wie ein kleines Kind. Sobald sie über ihre Ängste sprach, konnte sie nicht anders als die Tränen laufen zu lassen. Sie blickte zu ihm und sah, dass er grade in seine Jeans geschlüpft war, die auf dem Boden lag, dann setzte er sich neben sie und griff nach ihrer Hand.
„Ja? Sprich weiter.“
„Ich wollte nicht verletzte werden…ich meine…“, sie schniefte laut, dann sprach sie weiter: „Ich meine damit nicht, dass ich Angst davor hatte, dass es nur für eine Nacht gewesen sein könnte, sondern, dass du aufwachst und…und denkst: Oh mein Gott, was hab ich denn da abgeschleppt?“, wieder brach ein Schwall Tränen aus ihr raus.
„Hmm...“, machte er bloß und streichelte mit seinem Daumen über ihren Handrücken.
„Schau mich mal an…bitte.“, bat er sie. Sie schaute in seine hellbraunen Augen.
„Tu ich aber nicht, du Dusselchen. Und wenn du einfach so gegangen wärst hättest du das ja nie erfahren, stimmt’s?“
Sie nickte und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.
„Außerdem, ob nun so verheult wie jetzt, außer Kontrolle wie auf der Party oder gestern Nacht vor Lust schmelzend in meinen Armen, ich finde dich schön.“
Ein Lächeln huschte ihr über die Lippen und schluckte den Kloß in ihrem Hals runter.Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie. Es schmeckte nach zu viel Wodka, abgestandenem Bier, nach wenig Schlaf und ein bisschen nach Cherry-Mint Kaugummi. Ihr flauer Magen rebellierte, doch ihr Herz bekam Hunger auf noch mehr.

 

Blog eima Traumwelt Früher Liebe Grüße